Ärzte warnen vor Kahlschlag im Krankenhausbereich

Die 130. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat mit Nachdruck öffentliche Forderungen nach einem Kahlschlag in der deutschen Krankenhauslandschaft zurückgewiesen. Es sei unzutreffend, dass ein Viertel aller Krankenhäuser nicht bedarfsgerecht sei und ein solches Viertel aller gegenwärtigen Behandlungsfälle im ambulanten vertragsärztlichen Bereich zusätzlich behandelt werden könne.

„Jeder Krankenhausarzt, der einmal während der sprechstundenfreien Zeiten in der Notaufnahme seinen Dienst verrichtet hat, aber auch jeder Patient, der den ärztlichen Notfalldienst in Anspruch nehmen musste, weiß, dass das genaue Gegenteil der Fall ist“, heißt es in einem Beschluss der Delegierten.

Kritik übte die Hauptversammlung auch an der Wettbewerbsorientierung im Gesundheitswesen. „Vor allem die Leistungsträger – Ärzte, Krankenhäuser, Pflege und andere Gesundheitsberufe – stehen unter einem ständigen finanziellen Leistungsdruck, bei dem Humanität und Qualität der Patientenversorgung zunehmend unter die Räder kommen. Dieser primär finanzorientierte Wettbewerb setzt die falschen Anreize.

Er schadet der Qualität der Patientenversorgung und untergräbt das Vertrauen in das gesamte System. Die Hoffnung einiger Politiker und anderer Verantwortlicher, dass sich durch diese Wettbewerbsideologie Kosten reduzieren ließen und die Qualität sich nicht verschlechtere, hat sich definitiv nicht erfüllt“, betonten die Delegierten.

Zwingend notwendig sei ein grundlegender Strategiewechsel. Anstatt primär auf Abbau von Leistungsträgern und Krankenhäusern oder Fachabteilungen zu setzen, hält die Hauptversammlung des Marburger Bundes eine Politik der „Optimierung der Versorgung“ für geboten. Qualitätsvorgaben müssten jedoch der Verbesserung in der Patientenversorgung dienen und nicht als Mittel zum Kapazitätsabbau oder gar als verkappte Sparprogramme missbraucht werden.

Eine Kurskorrektur in der Umsetzung politischer Vorgaben  sei dringend erforderlich, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Der Fokus der Qualitätssicherung sollte auf die Strukturqualität im Krankenhaus gelegt werden. Strukturmerkmale würden es auch gestatten, die mit ihnen verbundenen zusätzlichen Kosten zu ermitteln und ihre Refinanzierung zu überprüfen.

Pressemitteilung MB-Bundesverband

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