Marburger Bund Hessen wehrt sich gegen die geplante Tarifeinheit

Die Freiheit, sich in der Gewerkschaft seiner Wahl zu organisieren und mit dem Arbeitgeber in Verhandlungen zu treten, ist im Grundgesetz Artikel 9, Absatz 3 verankert. Die Verhandlungsführer von CDU und SPD wollen im Koalitionsvertrag die sogenannte Tarifeinheit festschreiben. Hiernach darf nur diejenige Gewerkschaft mit dem Arbeitgeber Tarifverhandlungen führen, welche die meisten Mitglieder im Betrieb hat.

Der Marburger Bund wehrt sich gegen die Einführung der Tarifeinheit, da sie gegen das Grundgesetz verstößt. Mit allen Mitteln werden wir das Recht auf gewerkschaftliche Interessenvertretung verteidigen. Die Tarifeinheit würde den kleinen Gewerkschaften verbieten, separat für die Interessen ihrer Mitglieder in Verhandlung zu treten.

Dieses Recht der gewerkschaftlichen Vertretung werden wir uns nicht nehmen lassen! Wird das Vorhaben Tarifeinheit umgesetzt, hätte dies einen der größten Eingriffe in der deutschen Gewerkschaftsgeschichte zu Folge.

Mit einem Schlag müssten sich etwa 700.000 in Spartengewerkschaften organisierte Mitglieder den Vereinbarungen anderer Gewerkschaften in ihrem Betrieb unterordnen, ohne dass sie das Recht auf Streikmaßnahmen haben. Die eigentlichen Nutznießer dieser Gesetzesänderung sind die Arbeitgeber.

Bereits 2010 hatte das Bundesarbeitsgericht (4 AZR 537/08) festgelegt, dass eine Tarifeinheit gegen den Grundsatz der Koalitionsfreiheit verstößt. Es kann nicht im Sinne einer demokratischen Gesellschaft sein, gewerkschaftlich organisierten Minderheiten in den Betrieben die Vertretungsrechte zu entziehen!

In den nächsten Wochen werden wir uns mit aller Kraft gegen eine gesetzliche Regelung der Tarifeinheit währen. Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung. Weisen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen auf die Bedeutung des Themas hin und werben Sie um eine Mitgliedschaft im Marburger Bund. Wir müssen deutlich machen, dass niemand anderes als der Marburger Bund die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte wirksam vertreten kann.

Heute sind wir mit mehr als 114.000 Mitgliedern Europas größte Ärztegewerkschaft. Jeder neue Beitritt ist ein Votum für Tariffreiheit und gegen Zwangseinheit. Machen Sie uns weiter stark: Engagieren Sie sich mit uns für gewerkschaftliche Grundrechte und helfen Sie mit, die Initiative für eine Festschreibung der Tarifeinheit zu verhindern.      

Autor: Dr. Lars Bodammer

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