Interview: Es gilt die Nähe zum Mitglied zu bewahren

Das Versorgungswerk für Ärztinnen und Ärzte ist ein wichtiges Gut der Selbstverwaltung. Wir haben mit dem VorstandvorsitzendenDr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg und dem langjährigen Mitglied im Versorgungswerk Dr. Matthias Moreth über die Wichtigkeit und die Herausforderungen der nächsten Jahren gesprochen.

Sie sind beide im Versorgungswerk der Landesärztekammer aktiv, warum ist das Versorgungswerk wichtig  für die Ärztinnen und Ärzte?

Dr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg: Unsere Mitglieder sind durch die Pflichtmitgliedschaft Teil einer Altersversorgung für freie Berufe. Dieses hohe Gut ist ein Teil der ärztlichen Selbstverwaltung. Wir, und damit meine ich uns als Mitglieder einer solchen Versorgungseinrichtung, bekommen keinerlei Zuschüsse von staatlicher Seite. Die Mitgliedsbeiträge  und die Gewinne aus den Investitionen sind Korrelat der gewährten Renten und Leistungen für Hinterbliebene und bei Berufsunfähigkeit.

Welche Vorteile bietet das Versorgungswerk?

Dr. Matthias Moreth: Das Versorgungswerk ist auf die wesentlichen Bedürfnisse der bei ihm versicherten Ärztinnen und Ärzte sowie der Rentenempfänger fokussiert und kann, da es  u.a. keine beitragsgedeckten versicherungsfremden Leistungen zu finanzieren hat, in der Regel höhere Renten auszahlen. Auch sind Solidarleistungen, wie der Schutz vor völliger Berufsunfähigkeit oder der Anspruch auf Witwen- und Waisenrenten schon nach einer Beitragszahlung, also ohne Wartezeit, versichert. 

Welche Herausforderungen stehen für die nächsten Jahre an?

Dr. Matthias Moreth: Da das Versorgungswerk ähnlich einer kapitalgedeckten Lebensversicherung funktioniert, erwirtschaften die Mitglieder im Versorgungswerk ihre Rente selbst und sind nicht wie bei der Deutschen Rentenversicherung durch Umlageverfahren (die "Jüngeren finanzieren die Alten") versichert. Dadurch hat das Versorgungswerk derzeit, wie alle Lebensversicherer, das Problem mit den politisch gewollt niedrigen Zinsen: es muss seinen Rechnungszins am weltweiten Kapitalmarkt erwirtschaften.  

Dr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg: Niedrige Zinsen erfordern kluge Antworten durch unsere Kapitalanlagestrategie, auch die Dynamik und das Tempo der wirtschaftlichen Veränderungen erfordern eine ständige Kurskontrolle. In der Summe alles Dinge, die wir gemeinsam mit den Mitgliedern des Versorgungswerk - anspruchsvoll wie herausfordernd - gestalten.

Dr. Matthias Moreth: Der aus sieben Ärztinnen und Ärzten von der Delegiertenversammlung gewählte Vorstand hat in Zusammenarbeit mit vielen Fachberatern, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Mittel und Wege gefunden, dass zumindest für das nächste Jahrzehnt der Rechnungszins erwirtschaftet werden kann. In dieser Zeitspanne dürfte wohl hoffentlich auch die von den Zentralbanken zu verantwortende Niedrigzinsphase überwunden sein!

Herr Dr. Freiherr Schenck zu Schweinsberg Sie sind Vorstandsvorsitzender des Versorgungswerkes, was wollen Sie in den nächsten Jahren angehen und verbessern?

Dr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg: Es gilt die Nähe zum Mitglied zu bewahren. Wir sind keine Versicherung, sondern eine Alterssicherung!  Wir verwalten uns als Ärzteschaft selbst, eine Chance, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich genutzt wurde. Diese Philosophie ist der Motor und die zurückgelegte Strecke ein Erfolg an dem wir anknüpfen werden. Ich stehe mit meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen für Stabilität und kontinuierliche Entwicklung. Wir leben gemeinsam die Abkehr polarisierender Parteipolitik  bei gut ausgebildeter Kritikfähigkeit.

Zur Person:
Dr. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg ist Radiologe in Marburg und Vorstandsvorsitzender des Versorgungswerks.
Dr. Matthias Moreth ist Arbeitsmediziner/Internist aus Frankfurt  und langjähriges Mitglied im Versorgungswerk.

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