Interview: Mehr Aufmerksamkeit für junge Ärzte

Ärzte sollen sich nicht  von der Politik überrollen lassen, sondern selbst mitgestalten

Anita Yusefpur kandidiert in Hessen zum ersten Mal bei einer Kammerwahl. Wir haben sie im Interview gefragt, was ihre Motivation ist und welche Schwerpunkte sie in der Kammerarbeit setzen möchte.

Sie haben sich das erste Mal als Kandidatin für die Kammerwahl in Hessen aufstellen lassen. Was ist Ihre Motivation sich in der Kammer zu engagieren?

Anita Yusefpur: Man kann immer viel von außen kritisieren, aber man kann auch Dinge selbst in die Hand nehmen und aktiv werde, genau das möchte ich tun. Außerdem würde ich mir wünschen, dass wir Ärzte uns nicht von der Politik überrollen lassen. Deshalb will ich selbst mitgestalten, etwa beim Thema Digitalisierung.

Welche Erwartungen haben Sie?

Anita Yusefpur: Ich hoffe, dass Themen, die  junge Ärzte betreffen, in Zukunft in der Kammer mehr Aufmerksamkeit bekommen. Junge Kollegen machen heute andere Erfahrungen und haben andere Interessen - auch dies sollte in der Kammer berücksichtigt werden.

Warum wollen Sie sich besonders für Ärztinnen einsetzen?

Anita Yusefpur: Frauen mit Kindern sollten keine Nachteile in der Weiterbildung und ihrer Karriere haben. Dies ist nicht nur ein Problem in der Medizin, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema. Denn für viele Frauen ist es eine Gratwanderung, sowohl den Belangen des Kindes, als auch des Jobs gerecht zu werden.

Zudem muss es meiner Meinung nach selbstverständlich werden, dass Frauen in Führungspositionen arbeiten und das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen bekommen.

Wo sehen Sie im Klinikalltag noch Defizite für Frauen? Was muss sich ändern?

Anita Yusefpur: Die Medizin ist ein sehr konservatives Fach, in dem sich zwar langsam etwas ändert, doch vieles noch nicht selbstverständlich ist.

Obwohl die Medizin immer weiblicher wird, sind nur wenige Frauen in Führungspositionen. Nicht nur Frauen mit Kindern, sondern auch Frauen ohne Kinder haben es immer noch oft schwer aufzusteigen.

Was möchten Sie in den nächsten fünf Jahren in der Kammer voranbringen

Anita Yusefpur: Mir liegt vor allem die Weiterbildung am Herzen und in diesem Bereich möchte ich mich auch in der Kammer engagieren.

Zur Person: Anita Yusefpur ist Fachärztin für Innere Medizin und befindet sich in der
Weiterbildung Arbeitsmedizin bei der ias-AG (Institut für Arbeits- und Sozialhygiene) in Frankfurt

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