MBZ-Interview: „Patientenversorgung ist nur gemeinsam zu stemmen!“

MB-Bundesvorstandsmitglied Dr. Susanne Johna zum gemeinsamen MB-KBV-Konzept

Nach mehreren Gesprächsrunden haben der Marburger Bund und die Kassenärzt­liche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam ein Reformkonzept „Integrative Notfallversorgung aus ärztlicher Sicht“ erarbeitet. Daran mitgewirkt hat Dr. Susanne Johna, die das Thema im MB-Bundesvorstand federführend betreut. Jörg Ziegler, stellv. MBZ-Chefredakteur, hat sie zu den Ergebnissen und dem weiteren Vorgehen befragt.

Frau Dr. Johna, wie geht es Ihnen mit dem Konzept, das der Marburger Bund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam erarbeitet haben?

Dr. Susanne Johna: Der Vorstand des MB hat nach der Wahl im November 2016 bereits in einer seiner ersten Sitzungen dringlich zu bearbeitende Themen festgelegt. Dazu gehört die Notfallversorgung. Die Arbeitsgruppe hat dann im Mai ein Eckpunktepapier zur Notfallversorgung auf einer gut besuchten Pressekonferenz vorgestellt.

Es geht uns darum eine wirkliche Neustrukturierung vorzunehmen und aus der Patientenperspektive zu denken. Damit die Krankenhausärztinnen und Ärzte sich adäquat um die akuten stationär behandlungsbedürftigen Notfälle kümmern können müssen sie von ambulanten Fällen entlastet werden Insofern ist es ausgesprochen sinnvoll, dass wir diese Themen mit der KBV weiterentwickelt haben. Wir können die Patientenversorgung nur gemeinsam stemmen. Es ist gelungen, ein Konzeptpapier aus ärztlicher Sicht der angestellten und vertragsärztlichen Kollegen mit Fokus auf medizinische Notwendigkeiten zu entwickeln.

Was war in den Gesprächen die härteste zu knackende Nuss?

Dr. Johna: Von Anfang an waren die Gespräche von einem konstruktiven Mitei­nan­der geprägt. Es war eine sachorientierte, persönliche und freundliche gemeinsame Arbeit. Natürlich gibt es im Einzelfall unterschiedliche Blickwinkel – aber das medizinisch sinnvolle Vorgehen im Sinne der Patientinnen und Patienten stand im Vordergrund. Insofern gab es vielleicht am Anfang die Vorstellung von hart zu knackenden Nüssen, aber das gemeinsame Ziel stand im Vordergrund.

Wie sieht nun das weitere Vorgehen aus?

Dr. Johna: Mittlerweile ist allen klar, dass sich in der Notfallversorgung etwas ändern muss. Der Gesundheitsminister hat dieses Thema auch schon mehrfach angesprochen. Der prozentuale Anstieg der ambulanten Fälle in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ebenso wie die steigende Zahl von unnötigem Einsatz von Rettungsmitteln sprechen eine eindeutige Sprache. Insofern war es enorm wichtig die ärztliche Sicht noch vor der Bundestagswahl vorzustellen, in der Hoffnung, dass ein abgestimmtes Konzept zwischen KBV und MB Eingang in die Koalitionsgespräche findet. Detailausarbeitung, zum Beispiel die Frage, welches System zur Ersteinschätzung (Triage) zum Einsatz kommen soll, müssen im Weiteren bearbeitet werden. Wir werden uns als MB hier weiter aktiv einbringen.

Was wünschen Sie sich mit Blick auf die Geschwindigkeit der Umsetzung?

Dr. Johna: Mein Wunsch wäre, dass im nächsten Jahr erste Modellregionen, möglicherweise sogar ein Bundesland, das entwickelte Konzept komplett umsetzen. Entscheidend ist aber, das ganze Konzept und nicht nur Teilaspekte umzusetzen, denn sonst wird sich die Steuerungswirkung nicht entfalten. Wichtig ist dann die Evaluation der Veränderungen, um gegebenenfalls nötige Anpassungen vornehmen zu können.

Welche Auswirkungen hat das Hand-in-Hand-Gehen mit der KBV in dieser Frage auf die künftige Zusammen­arbeit?

Dr. Johna: Es gibt viele Themen, die sowohl für die Vertragsärzte als auch für uns wichtig sind. Ich hoffe, es gibt auch entsprechende Signale, dass die Notfallversorgung nicht das einzige Thema bleibt bei dem eine Zusammenarbeit möglich ist. Je öfter die Ärzteschaft an den Inhalten orientiert gegenüber der Politik Einigkeit zeigt, desto öfter haben wir auch Chancen, Gehör zu finden.

Frau Dr. Johna, vielen Dank für das Interview.

Der Artikel ist in der MBZ erschienen.

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