Notfallversorgung: KV kündigt Dialog an

Die Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen hatte in der Debatte um die Notfallversorgung den Marburger Bund Hessen und deren Vorsitzende Dr. Susanne Johna unsachlich angegriffen. Mittlerweile schwenkt die KV auf einen anderen Kurs ein. Genau wie der Marburger Bund angemahnt hatte will sie nun in den Dialog mit den Kliniken treten. Mit der Forderung nach einer Versachlichung der Diskussion hatte Johna darauf hingewiesen, dass die Konflikte der KV mit den Klinikbetreibern nicht auf dem Rücken der Krankenhausärzte ausgetragen werden dürfen.

Dem voraus ging eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen der KV und der Arbeitsgemeinschaft Zentraler Notaufnahmen Hessen. Hintergrund ist die neue „Abklärungspauschale“, die Krankenhäuser ab April für Patienten erhalten sollen, die mit Bagatellerkrankungen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen und nach einer kurzen Begutachtung durch einen Klinikarzt zu einem Hausarzt oder an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen werden sollen. Diese Pauschale entspricht kalkulatorisch zwei Minuten ärztlicher Arbeitszeit am Tag und vier in der Nacht.

Abrechnungen seien auffällig

Während die Arbeitsgemeinschaft diese Abklärungspauschale als Gefährdung der Patienten und finanziell unzulänglich kritisiert, moniert die KV ein Übergreifen der Krankenhäuser in den ambulanten Bereich durch die Behandlung von „Husten und Schnupfen“. Viele KV-Abrechnungen hessischer Krankenhäuser seien „auffällig“ und würden von der KV nun stärker kontrolliert. Zudem entstünden rund 40 Prozent der Behandlungsfälle von Notfallambulanzen zu Zeiten, in denen niedergelassene Ärzte zur Verfügung stehen, so die KV. Weiterhin seien Krankenhausärzte „bis auf Einzelfälle in der Regel nicht ausreichend qualifiziert, um ambulante Behandlungen gut und wirtschaftlich durchzuführen“.

Versachlichung der Diskussion

Im Rahmen dieser Debatte hat Johna sich zu Wort gemeldet, zu einer Versachlichung der Diskussion im Sinne der Patienten und der Ärzteschaft aufgefordert und eine „Neustrukturierung der Notfallversorgung“ angeregt u.a durch flächendeckende Ansiedlung der Ärztlichen Bereitschaftsdienste an den Krankenhäusern. Niedergelassene und Krankenhausärzte müssten gemeinsam im Sinne der Patienten daran mitwirken. „Die Patienten gehen vermehrt ins Krankenhaus, weil der eigentlich behandelnde Vertragsarzt nicht verfügbar ist, weil sie eine rasche Abklärung ihrer Beschwerden wünschen oder weil sie schlicht keine Kenntnis davon haben, wie der Bereitschaftsdienst der Vertragsärzte zu erreichen ist“, so die hessische MB-Vorsitzende. Zudem müsste die Belastung der Krankenhausärzte in den Notaufnahmen reduziert werden: „Ziel muss es sein, die Notaufnahmen in den Krankenhäusern so zu entlasten, dass die dort tätigen Ärzte sich mit ausreichender Zeit um Patienten kümmern können, die auch wirklich eine Behandlung durch das Krankenhaus benötigen“.

Die Spitze der KV Hessen hatte diese Ausführungen als „Realitätsverlust des Marburger Bundes“ bezeichnet, der als „Büttel der Krankenhausverwaltungen agiere“, zudem sei fraglich, ob die Notfallambulanzen der Krankenhäuser tatsächlich so stark ausgelastet seien, da nach einer Mitteilung des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung  in diesen im Jahr 2015 durchschnittlich nur ein Patient pro Stunde behandelt wurde. Weiterhin würde der Marburger Bund damit „Front“ gegen die Niedergelassenen machen und den Wahlkampf für die Wahlen zur Landesärztekammer 2018 eröffnen.

Gute Versorgung der Patienten

Johna sagte dazu: „Das Problem der sektorübergreifenden ambulanten Notfallversorgung muss im Interesse der Patienten und der Ärzteschaft gelöst werden. Wir wollen ein tragfähiges Konzept gemeinsam mit den Vertragsärzten entwickeln. Dabei gilt es, Veränderungen des Patientenverhaltens nicht zu negieren, denn nicht nur in Deutschland nehmen die Patientenzahlen in den Notaufnahmen deutlich zu. Auch in Großbritannien und Frankreich wird nach Lösungen gesucht. Insofern sollten endlich die unnötigen Gräben überwunden und gemeinsam konzeptionell gearbeitet werden. Eine isolierte Veränderungen von Gebührenziffern löst das Problem nicht.“

Autor: wa/mn

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