Weiterbildungsordnung: 100 Spirometrien oder 100 Stressechokardiographien sind heute unrealistisch

Auf der Delegiertenversammlung (DV) Mitte März wurde erfolgreich der Antrag des Marburger Bundes verabschiedet, bereits vor Inkrafttreten der neuen Weiterbildungsordnung (WBO) die aktuell gültigen Richtlinien anzupassen. Wir haben Dr. Lars Bodammer, 2. Stellv. Vorsitzender im MB Hessen und Dr. H. Christian Piper, MB Vorstandsmitglied, nach den Hintergründen gefragt.

Der Deutsche Ärztetag wird sich in diesem Jahr mit der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung befassen, warum soll dann jetzt noch die aktuell gültige Weiterbildungsordnung überarbeitet werden?

Dr. Lars Bodammer: Die neue Weiterbildungsordnung hat zum Ziel, die Vorgaben der zu erlernenden Inhalte auf ein sinnvolles, der aktuellen Medizin angepasstes Maß, anzupassen. Doch bis diese umgesetzt ist, werden wohl noch 2-3 Jahre vergehen. Aber die Kolleginnen und Kollegen, die sich bereits jetzt  in der Weiterbildung zum Facharzt befinden, werden davon nicht mehr profitieren.

Was wollen Sie erreichen?

Dr. Christian Piper:Der Marburger Bund setzt sich dafür ein, dass die Landesärztekammer Hessen sich bereits heute mit den Richtzahlen auseinandersetzt. Dort, wo die nachzuweisenden Richtzahlen überfrachtet oder veraltet sind, werden nach DV-Beschluss entsprechende zeitgemäße Anpassungen in den nächsten Monaten vorgenommen. Auch, damit am Ende der Weiterbildung nicht „Fantasiezahlen" bescheinigt werden, treten wir für eine transparente Weiterbildung ein.

Können Sie Beispiele nennen?

Dr. Christian Piper:100 Spirometrien beim Internisten,  100 Stressechokardiographien beim Kardiologen oder 200 gesammelte Bauchoperationen beim Allgemeinchirurgen sind als Beispiele heute unrealistisch oder überholt. Die diagnostischen und therapeutischen Methoden sind seit 2005 auch in vielen anderen Fachgebieten weiter fortgeschritten oder haben sich in der Anwendungshäufigkeit erheblich geändert. 

Was wollen Sie gemeinsam erreichen?

Dr. Lars Bodammer: Wir wollen, dass solche Richtzahlen aus der Weiterbildungsordnung von 2005 jetzt auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet werden. Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Weiterbildung befinden, verlässliche Rotationspläne, einforderbare Inhalte und eine gute Weiterbildung  ermöglichen. Wir dürfen damit nicht warten, bis in ein paar Jahren, die beim Deutschen Ärztetag 2018 in Erfurt neu aufzusetzende Weiterbildungsordnung greifen wird.

Zur Person:
Dr. Lars Bodammer ist 2. Stellv. Vorsitzender im MB Hessen und Dr. H. Christian Piper ist MB Vorstandsmitglied. Beide sind im Ausschuss ärztliche Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen.

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